SC Wiedenbrück will „keine Luftschlösser bauen“

Noch ist der Aufstieg des SC Wiedenbrück ist noch nicht beschlossene Sache, aber alles deutet darauf hin, dass der Tabellenführer der Oberliga Westfalen in der kommenden Saison wieder zurückkehrt in die Regionalliga. Mit dem Geschäftsführer Bernhard Hartmann haben wir darüber gesprochen.

Foto: Das Stadion in Wiedenbrück

Die Saison 2019/2020 wird in Westfalen wohl abgebrochen. Das ist der Vorschlag des Fußball-Ausschusses an das Präsidium des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen (FLVW). Formal bestätigen soll dies ein außerordentlicher Verbandstag. Das scheint aber nur eine Formsache zu sein.

Der FLVW hat eine Regelung angeregt, nach der die Tabellenführer der Ligen aufsteigen dürfen. Für die Oberliga (aber nicht nur dort) ergibt sich eine besondere Situation. Dort sind die Klubs auf Platz 1 und 2 aufstiegsberechtigt. Das wären Wiedenbrück und der RSV Meinerzhagen. Das Problem: In die Wertung wird auch der Quotient eingerechnet – also die Punkte pro Spiel. Und da rückt plötzlich der drittplatzierte RW Ahlen auf den zweiten Rang, weil die Rot-Weißen zwei Spiele weniger als Meinerzhagen absolviert haben. Der minimal bessere Quotient bringt die Veränderung mit sich – und hinterlässt Meinerzhagen als Härtefall (wir berichteten).

Sicher durch wäre der SC Wiedenbrück. Das ist eine durchaus überraschende Entwicklung, denn noch vor wenigen Monaten hatte der SCW über einen Verzicht auf den Aufstieg nachgedacht. Zu wenig Begeisterung in Wiedenbrück, zu wenig Geld, zu aufwändig. Die Ankündigung des Klubs weckte in Wiedenbrück aber offenbar ein paar Geister. „Wir haben dann Leute gefunden, die mitmachen wollen, die das hier fördern wollen“, so Geschäftsführer Bernhard Hartmann. Die Reaktionen seien einfach so gewesen, dass man den Schritt nun doch wagen wolle. Die Zulassung ist beantragt, der Aufstieg scheint klar – es kann also losgehen, oder?

Hartmann bestätigt das, tritt aber auch auf die Euphoriebremse. „Wir werden mit einem weitaus geringeren Etat in die Saison reingehen, so etwa auf dem Niveau des aktuellen Oberliga-Etats.“ Nur so ist die Regionalliga realistisch zu stemmen. Immerhin weiß der SC Wiedenbrück, was auf ihn zukommt – zwischen 2010 und 2019 spielte der SCW ununterbrochen in der Regionalliga. Und Hartmann glaubt auch, dass realistische Ziele auch akzeptiert werden. „Es ist nicht schlimm, wenn man vorher kommuniziert, dass der Klassenerhalt das einzige Ziel ist. Da muss man keine Luftschlösser bauen.“

Kein Ei des Kolumbus

Dass die Aufstiegsregelung des FLVW nicht optimal ist, weiß auch Hartmann. Der Verband mache sich viele Gedanken dazu, das „Ei des Kolumbus“ habe niemand gefunden. Das alles sei nun einmal höhere Gewalt. „Ein besseres Beispiel dafür gibt es nicht.“

Aus Sicht des SC Wiedenbrück sei der Abbruch der Saison „alternativlos“. Hartmann ist wohl ebenso überrascht von der Entwicklung wie viele andere auch. Dass die Bundesliga nun „grünes Licht“ bekommen hat und viele Lockerungen greifen, scheint angesichts der vergangenen Wochen fast unwirklich. „Vor vier Wochen hätte ich noch gedacht, wie spielen in 2020 überhaupt keinen Fußball mehr.“

Dass der Neustart des Profisports auch mit dem Breitensport einher geht, wundert Hartmann allerdings. Tausende Sportler allein in Westfalen könnten dann wieder auf die Plätze. In Wiedenbrück vorerst nicht, denn mindestens bis zum 10. Mai gilt noch eine Platzsperre. „Wir werden einfach abwarten.“

Ob die aktuelle Mannschaft des SC Wiedenbrück vor dem offiziellen Saisonende noch einmal zusammenkommt? Schwer zu sagen. „Ich gehe eher davon aus, dass wir mit dem aktuellen Kader einen Schlussstrich ziehen“, so Hartmann.

Allerdings gibt es da noch ein offenes Thema. Der westfälische Verband darf zwei Klubs in den DFB-Pokal entsenden. Einmal den westfälischen Landespokalsieger und einen zweiten Klub, der in einem Entscheidungsspiel zwischen dem Oberliga-Meister (und das wäre dann ja der SC Wiedenbrück) und dem bestplatzierten westfälischen Regionalligisten ermittelt würden. „Das sollte sportlich noch ausgetragen werden“, so der Wunsch von Hartmann.

In diesem Fall müsste das Team noch einmal in ein knackiges Training zurückkehren. Vorerst bleibt das alles unklar, weil die offizielle Entscheidung über den Saisonabbruch noch aussteht.

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