RW Oberhausen: Klubchef Hajo Sommers kritisiert DFB

Schon früh hatte Hajo Sommers auf die möglichen Konsequenzen der Corona-Pandemie auf den Fußball hingewiesen. Die Situation jetzt zeigt, dass der Klubchef von RW Oberhausen mit seiner Ahnung nicht ganz falsch lag. Was Sommers ärgert, ist die Unsicherheit und abwartende Haltung des DFB.

(Foto: Imago)

„Es kann nicht sein, dass wir immer noch nicht wissen, ob wir überhaupt nochmal spielen“, so Sommers im klubeigenen Interview. Denn während für den Profifußball in der Bundesliga und der 2. Bundesliga immerhin ein Weg vorgezeichnet ist, bleibt der für die 3. Liga und erst recht die Regionalliga noch unklar.

Allgemein klar und anerkannt ist, dass die meisten Klubs unterhalb der Profiligen nicht über Monate ohne Zuschauer spielen können. Ohne Fans keine Einnahmen, ohne Fans springen vielleicht auch Sponsoren ab, deren Werbung im Stadion ja gar nicht mehr zur Wirkung kommt. Abgesehen davon, dass auch viele Unternehmen derzeit wirtschaftliche Probleme haben. „Es gibt Geisterspiele von mir aus in der ersten und zweiten Liga. Die sollen machen, was sie wollen da oben. Für die vierte Liga – und wahrscheinlich auch für die 3. Liga – ist das Modell nicht tragbar!“, so Sommers.

Oberhausen teilt seine klare Haltung mit anderen großen West-Klubs wie Essen oder Aachen. „Mit uns kein Geisterspiel – Punkt!“

Aber was dann? Die jüngsten Lockerungen in der Spielordnung durch den DFB sorgen bei Sommers eher für Kopfschütteln. Beispiel Saisonende: Theoretisch könnte die aktuelle Saison erst ab Herbst oder gar Frühjahr 2021 weitergespielt oder beendet werden. Dazu könnte sogar die Saison 2020/2021 vollständig abgesagt werden. Das klingt nach Flexibilität, aber wirft nur noch mehr Fragen auf. Sommers mit Klartext: „Schöne Idee! Wovon? Womit? Von welcher Kohle? Mit welchen Spielern? Mit welchen Verträgen? Albern!“

Tatsächlich sind noch praktisch alle rechtlichen und vertraglichen Fragen völlig offen. Der DFB spielt auf Zeit, wartet Ende April ab und hofft möglicherweise auf eine Lockerung der Beschränkungen. Aber wenn schon in den Profiligen keine Zuschauer zugelassen sind – was soll dann im Amateurfußball oder der 3. Liga geschehen?

„Lasst uns das doch angehen“

Sommers mit Blick auf einen Saisonabbruch: „Das wäre eine schöne Idee. Anstatt sich ständig darüber den Kopf zu zerbrechen, wann denn wieder gespielt wird, mal andersrum hinterfragen: Was passiert, wenn wir bis zum 30. Juni nicht wieder spielen können?“ Denn genau diese Frage wird in irgendeiner Form ohnehin kommen. Sponsorenverträge, Spielerverträge – und immer wieder das Geld. Wer soll eigentlich die Ausfälle übernehmen, die eine Verlängerung der Saison bedeuten würde?

Warum nicht jetzt eine Auf- und Abstiegsregelung finden? „Und zwar von ganz oben bis ganz unten – wie sonst auch immer. Und wenn es sein muss, dann bildet man eben eine zweigleisige 3. Liga. Wenn man das so gestaltet bekommt, dass sich das rechnet, dann lasst uns das doch angehen! Da schreien doch eh alle nach.“ Das koste natürlich Geld – wobei der DFB bereits angekündigt hat, den Klubs nicht selbst helfen zu können. Das sei dann Sache der Politik, so der DFB. Sommers kritisiert auch die eher abwartende Haltung des Verbands. Sich hier auf einen DFB-Bundestag zurückzuziehen, das ginge nicht. Es müsse eine Entscheidung getroffen werden. „Wenn wir eine 24-er-Liga bauen müssen, kriegt man auch das hin“, glaubt der RWO-Boss.

Nach seiner Logik würde RW Oberhausen im Falle eines Saisonabbruches aufsteigen, weil der Klub ja einen Zulassungsantrag gestellt habe. Allerdings liegt RWO aktuell nur auf Platz 4 der Regionalliga. Weil Spitzenreiter Rödinghausen verzichtet, würde immer noch mindestens drei West-Klubs in die 3. Liga drängen (Verl, Essen und eben Oberhausen). Kaum anders sieht es in den anderen Regionalliga-Staffeln aus. Eine aufgestockte 3. Liga reicht da nicht aus – und eine Zweiteilung würde bei den Drittligisten sicher für Ablehnung sorgen.

Im Falle eines kompletten Saisonabbruchs und Wertung der Liga „wie ist“ würde RWO dann einfach weitermachen wie bisher auch. Das würde – von wirtschaftlichen Nachteilen – mit dem Klub nichts weiter tun, wie Sommers meint. Er glaubt allerdings auch nicht an eine Fortsetzung und ein Saisonende bis Juni 2020. Der Fußball werde ohnehin die letzte Veranstaltung sein, die wieder zugelassen werde – lange nach Schulen oder Kitas. „Ich sage, es wird nicht mehr gespielt – Punkt!“

Sommers‘ bittere Aussicht lautet: Der Etat von RWO werde für eine neue Saison schrumpfen. Man müsse schauen, welche Sponsoren überhaupt noch zahlen wollen und können. „Die Vereine, die überleben, haben eine Chance, in der Liga zu spielen. Alle anderen werden auf der Strecke bleiben. Die fangen ganz unten oder mit etwas Glück in der Landesliga wieder an.“

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