Nils Drube: „Ich weiß, worauf ich mich in Rödinghausen einlasse“

Nils Drube muss warten. Ende April stellte ihn der SV Rödinghausen als neuen Trainer vor. Das Arbeitspapier ist auf den 1. Juli datiert – aber wann der neue Cheftrainer des SVR wirklich an der Seitenlinie steht, ist im April 2020 völlig unklar. Im Gespräch mit dem Regionalliga-Magazin erzählt er über den neuen Job und wie er ihn angeht.

Der neue Cheftrainer des SV Rödinghausen steht fest. Es wird Nils Drube, zuletzt in der 3. Liga bei den Sportfreunden Lotte tätig. Drube übernimmt einen Klub im Wandel. Zwar ist Rödinghausen tabellarisch noch souveräner Spitzenreiter der Regionalliga West, aber ein Aufstieg ist ausgeschlossen. Der Klub beantragte keine Zulassung für die 3. Liga und will künftig ein starker Regionalligist sein. Zumindest so lange, bis der DFB von den strengen Vorgaben für Drittliga-Klubs absieht – Stichwort Stadion.

Die Entscheidung beim SV Rödinghausen, den Aufstieg abzusagen, sorgte am Wiehengebirge durchaus für Verstimmungen. Trainer Enrico Maaßen erklärte seinen Abschied, verschiedene Spiele werden den Klub verlassen. Mit ziemlicher Sicherheit auch Toptorjäger Simon Engelmann. Klar ist: Das Gesicht des SVR wird sich verändern.

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Der neue Trainer hat das alles aufmerksam verfolgt. „Auf der einen Seite ist es für Spieler und Trainer schade, ich kann da Emotionalität durchaus nachvollziehen“, so Drube. „Aber auf der anderen Seite muss man dem Klub anrechnen, wie weitsichtig er die Entscheidung geprüft hat und wie seriös er das alles kommuniziert hat.“

Wenn man zur Einschätzung komme, dass die Struktur, das Umfeld einfach noch nicht bereit ist für die 3. Liga, dann müsse man eben solche Entscheidungen treffen. Es geht dem SV Rödinghausen da ein bisschen wie dem Ligakonkurrenten TuS Haltern, der gerade erklärt hat, künftig vorzugweise auf Spieler aus der eigenen Stadt zu setzen. Und was für Haltern gilt, hat auch in Rödinghausen Gültigkeit: Der Klub hat seine Wurzeln eben in der Gemeinde. Und dort will er auch für seine Fans und Freunde da sein.

Auf einer Wellenlänge

Die Entscheidung für Rödinghausen und den neuen Job hat Nils Drube trotzdem getroffen. „Ich wusste, worauf ich mich einlasse.“ Gleich von Beginn an – das war Anfang März – habe er das Gefühl bekommen, dass er mit Geschäftsführer Alexander Müller auf einer Wellenlänge funke. „Was den Fußball betrifft, haben wir die gleiche Idee.“ Die Gespräche seien von Beginn an „sehr positiv“ gewesen, „rundweg solide“.

Drube über die Ziele des SVR: „Auch ohne Aufstieg wollen wir ehrgeizig sein, wollen ein Topteam auf die Beine stellen.“

Das genau ist jetzt das Ziel: Die Mannschaft wird dazu einen Umbruch erleben, wird sich verjüngen. Das ist nicht nur den Umständen geschuldet. So ein Umbruch könne auch grundsätzlich einen Wert haben. „Wenn ein Team gemeinsam ein Optimum erreicht, dann muss man frischen Wind reinbekommen.“ Die Idee dahinter: Wer Ziele erreicht, darf sich nicht darauf ausruhen, sondern muss neue Reize setzen. „Neue Hierarchien“, so Drube. Das sei dann eine Chance für Spieler, die sich bisher eher im Schatten entwickelt hätten.

Welche Spieler das sein werden, ist noch nicht klar. Drube ist mit Geschäftsführer Müller auf dem Weg, ein neues Team zusammenzustellen. Ein reizvoller Job für Drube, der erstmals im Seniorenbereich die Gelegenheit hat, „sein“ Team zusammenzustellen. Wie das aussehen soll, darüber kann Drube viel erzählen. „Es muss ein guter Mix aus Individualisten, Teamplayern und Führungsspielern sein – aber das gilt ja immer so.“ Zwei Säulen nennt der 42-.Jährige: Die technisch-taktischen Anforderungen und die menschliche Komponente. Emotionalität, Aktivität, Zweikampfverhalten – Drube nennt das etwas plakativ „banale“ Anforderungen. Grundlagen eben. Aber dann braucht es eben auch unterschiedliche Spielertypen, um verschiedene Spielsysteme umzusetzen. Drube hat umfangreiche Anforderungskataloge für Positionen und Spieler erstellt. „Über zu wenig Arbeit kann ich mich gerade nicht beklagen“, so der Trainer am Telefon.

„Will mir Ziele setzen“

Natürlich verändert die Klubstrategie die künftige Arbeit. Auch die des Trainers. „Ich bin total ehrgeizig, will mir Ziele setzen“, so Drube. „Aber das werden jetzt andere Ziele sein als ein Aufstieg am Saisonende.“ Psychologisch werde die Arbeit beim SV Rödinghausen eine andere Herangehensweise erfordern. „Über unser Coaching und Engagement werden wir uns weiterentwickeln. Jetzt führen wir Gespräche mit Spielern, die hinter diesem Konzept stehen.“

Dass Rödinghausen da eine durchaus positive Adresse ist und als solche wahrgenommen wird, ist sein Eindruck. Der SVR kann künftig ja auch ein hochklassiges Sprungbrett sein für Spieler, die sich dort auf Top-Niveau präsentieren können. „Das ist eine Facette.“ Das Umfeld in Rödinghausen sei seriös, professionell, unaufgeregt. „Das ist schon ein Faustpfand.“

Es gehört zum Fußball dazu, dass die Arbeit „auf dem Dorf“ manchmal von größeren Klubs bzw. deren Anhängern belächelt wird. „Aber wenn man sich hier mal genau umschaut, die Austattung, dann ist das schon gehobenes Drittliga-Niveau.“

Nils Drube (r.), hier 2012 bei Preußen Münster als Co-Trainer unter Pavel Dotchev.

Breiter Erfahrungsschatz

Für Nils Drube sind das glänzende Rahmenbedingungen. Und der neue Trainer bringt auch reichlich Erfahrung mit – aus völlig unterschiedlichen Positionen. Bei Preußen Münster und Bayer Leverkusen trainierte er die hochklassigen U17- und U19-Teams. Als Scout und „Spezialtrainer“ gehörte er beim Bundesligisten unter Roger Schmidt zum Trainerteam. Als Co-Trainer unter Pavel Dotchev in Münster erlebte er die 3. Liga. Und natürlich: Die Monate bei den Sportfreunden in Lotte waren 2018/2019 auch lehrreich. „Ich habe viele Blickwinkel mitbekommen“, bestätigt Drube. „Und das merke ich auch in der Kaderzusammenstellung, diese Erfahrungen sind hilfreich. Und sie geben Ruhe und Gelassenheit.“

Drubes Vertrag ist auf zwei Jahre datiert. Durch die Neu-Orientierung des SVR sollte man annehmen, dass auch Schwächephasen überstanden werden können. Sicher hofft das auch der neue Trainer. Aber der gebürtige Münsteraner ist auch Realist. „Um ausnahmsweise eine Phrase zu bemühen: Fußball ist ein Ergebnissport. Aber wenn man ein gutes Verhältnis hat und das Vertrauen da ist, dann kann man auch mal verlieren.“ Dennoch: Am Ende muss auch Drube Erfolge liefern.

Die Erfahrung machte er zuletzt 2019 in Lotte. Den Klub übernahm er in einer schwierigen Saison – Matthias Maucksch wurde von den Spielern seinerzeit durch eine Art „Arbeitsverweigerung“ geschasst, Drube stabilisierte Team und Leistung, bis eine kleine Niederlagenserie auch ihn den Job kostete. Rückkehrer Ismail Atalan holte noch weniger Punkte, am Ende stand Lotte als Absteiger fest. Was Drube aus der Zeit am Lotter Kreuz mitnahm? „Eine Menge…“, so Drube. „Vor allem die Wichtigkeit eines funktionierenden Teams im Hintergrund. Trainer, Sportlicher Leiter, Geschäftsführer – da muss man loyal sein und eine Sprache sprechen. Man darf den Spielern keine Ausreden geben. Und das macht dann am Ende erfolgreiche Teams aus: Wenn alle an einem Strang ziehen.“

Der neue Kader muss das bewerkstelligen. Dass die Corona-Krise die Arbeit nicht gerade erleichtert, liegt auf der Hand. Alles ist unsicher. Ob die Regionalliga in der laufenden Saison noch einmal spielt? Unwahrscheinlich bis ausgeschlossen. Aber selbst der Saisonstart 2020/2021 steht in den Sternen. Das beeinflusst auch die Suche nach neuen Spielern. „Du kannst dich gerade nicht so frei bewegen“, gibt Drube zu bedenken. „Ich habe natürlich den Anspruch, mit allen Spielern zu sprechen. Das muss jetzt eben per Telefon oder Videokonferenzen gehen.“

Nils Drube, Jahrgang 1978, tritt zum 1. Juli 2020 den Job beim SV Rödinghausen an. Er wird dort mit dem bereits vorhandenen Trainerteam arbeiten. Sein Co-Trainer aus Lotte, Sven Hozjak, wird aus beruflichen Gründen nicht dabei sein.
Seine Trainer-Karriere begann der gebürtige Münsteraner beim Stadtteilklub Westfalia Kinderhaus als Jugendtrainer. Ab 2006 betreute er beim SC Preußen Münster die U17, später die U19. Nach seinem Abschied 2012 wechselte er in den Nachwuchs von Bayer Leverkusen. Als Trainer betreute er die U19 des Klubs, war unter Peter Hyballa und Roger Schmidt. Drei Jahre lang arbeitet er für Bayer als Scout, ehe er dann im August 2018 Trainer der Sportfreunde Lotte war. 27 Spiele lang war er dort bis April 2019 verantwortlich.
2016 schloss Drube den Fußballlehrer-Lehrgang ab, in dem er gemeinsam mit Julian Nagelsmann und Domenico Tedesco gearbeitet hatte.

Für Drube geht es in der Zwischenzeit darum, für den Neustart bereit zu sein. „Ich habe die grobe Struktur im Kopf, für den Tag X gibt es Ideen.“ Möglichst viel Vorarbeit will er leisten, die Zeit ist da – schließlich sitzt Drube wie alle anderen im „Home Office“. Weil das auch den meisten Spielern so geht, wird es irgendwann im Sommer spannend sein zu sehen, in welchem Zustand die Mannschaft sein kann.

Aus der Ferne beobachtet Drube auch die aktuelle Diskussion im Fußball. „Es gibt natürlich verschiedene Bewertungen. Ich kenne aber die Lage bei Bundesliga-Klubs. Und die Liga ist schon ein erheblicher Wirtschaftsfaktor, gerade auch im Bereich der Angestellten oder Zulieferer.“ Aus seiner Zeit in Leverkusen weiß Drube, wie groß das Team hinter dem Team ist. „Ich kann also grundsätzlich schon verstehen, dass möglichst schnell wieder gespielt werden soll.“

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