Abbruch, Geisterspiele: So denken die Regionalligisten in Deutschland

Es herrscht weiterhin Unklarheit darüber, wie die aktuelle Saison beendet wird. Einigermaßen Klarheit gibt es nur in der Bundesliga und der 2. Bundesliga. Dort soll – vielleicht ab dem 9. Mai? – wieder Fußball gespielt werden. Ohne Zuschauer, versteht sich. Das ist für die Regionalliga nicht unbedingt erstrebenswert.

In diesen Tagen holen viele deutsche Fußballverbände in den einzelnen Ländern ein Stimmungsbild ihrer Mitgliedsklubs ein. Dabei sind die Regionalligen wegen ihrer wirtschaftlichen und sportlichen Struktur meistens nur „dabei“, aber eigentlich im Kern nicht gemeint.

Dennoch gibt es teilweise klare Meinungsbilder aus der vierten Liga. Wir fassen hier einmal zusammen:

Regionalliga Nord – Saisonabbruch ohne Absteiger
Auch die Nord-Staffel der Regionalliga hat nun eine Entscheidung für sich getroffen: Mit knapper Mehrheit stimmten die Klubs für einen Saisonabbruch ohne Absteiger. Den Aufsteiger sollen die beiden Top-Klubs Lübeck und Wolfsburg in Entscheidungsspielen ermitteln.

Die letzte Entscheidung muss der Norddeutsche Fußball-Verband (NFV) bei einem Außerordentlichen Verbandstag Ende Juni treffen.

Regionalliga Nordost Saisonabbruch ohne Absteiger
Mitte Mai hat die Regionalliga Nordost für einen Saisonabbruch ohne Absteiger plädiert. Das ist Ergebnis einer Sitzung am 12. Mai. Der Meister und Teilnehmer an der Relegation zur 3. Liga soll per Quotientenregelung ermittelt werden.

Vorgeschichte: Mitte April hatte der Verband zunächst eine Videokonferenz mit seinen Klubs durchgeführt. Dabei ergab sich kein einheitliches Stimmungsbild, wie es beim Verband heißt. „Die Mehrheit sprach sich für die sportliche Entscheidung des Wettbewerbes aus, allerdings nur unter der Zielsetzung, die Meisterschaft zeitnah, nach Möglichkeit bis zum 30.06.2020, zu beenden. Eine Fortführung der Saison mit Spielen unter Ausschluss der Öffentlichkeit sei für eine Mehrzahl der Vereine schwer zu realisieren.“

Diese Aussage wird nicht von allen Klubs unterstützt. Beispielsweise die BSG Chemie Leipzig betonte, dass die Aussage des Verbands nicht das allgemeine Stimmungsbild der jüngsten Konferenz widergebe: „Wie schon einige andere Vereine müssen wir allerdings der Darstellung des NOFV über das allgemeine Stimmungsbild bei dieser Konferenz widersprechen: nicht nur durch uns wurden hier erhebliche Bedenken mitgeteilt. Erst Anfang Mai werden die aktuell geltenden Bestimmungen, die einen Trainingsbetrieb verbieten, durch das Land Sachsen erneut evaluiert – das bedeutet mit der entsprechenden Vorlaufsfrist einen Neustart des Spielbetriebs frühestens Mitte Mai. Eine Durchführung von bis zu 12 Spielen bis zum regulären Saisonende Ende Juni erscheint uns als nicht möglich.“

Für den Nordosten gibt es Überlegungen, die Spiele in Livestreams zu übertragen, was immerhin die Möglichkeit geben würde, Zuschauer zu erreichen. Der MDR und der RBB wären Partner dabei.

Regionalliga West – Klare Haltung für Saisonabbruch
Im Westen ist die Sache klar. In einer Umfrage des Westdeutschen Fußballverbandes unter 18 der 19 Klubs (die SG Wattenscheid hat ihre erste Mannschaft abgemeldet) plädierten 16 Klubs für einen Saisonabbruch. Ein Klub enthielt sich, RW Essen stimmte dagegen. Dabei sollen keine Absteiger benannt werden, dafür aber „den Vertreter des Westens für den möglichen Aufstieg in die 3. Liga zu benennen“. Das wäre aktuell der SC Verl, worüber sich unter anderem der direkte Verfolger RW Essen ärgert.

Am 5. Mai wollen sich die Klubs erneut austauschen, „abschließend“, wie es heißt.

Regionalliga Südwest – Abbruch ohne Absteiger
Im Südwesten gibt es nach einer Videokonferenz Anfang Mai die Entscheidung, die Saison abzubrechen. Absteiger aus der Regionalliga soll es bei diesem Modell aber nicht geben.

Regionalliga Bayern – Beschluss Fortsetzung im Herst
In Bayern hat der Verband eine deutliche Richtung vorgegeben, genauer gesagt: eine Entscheidung getroffen. Die Saison soll „mindestens“ bis zum 31. August ausgesetzt werden und im Herbst fortgesetzt werden – „wenn durch staatliche Vorgaben möglich“, heißt es.

Grundlage der Entscheidung ist ein Stimmungsbild unter den Mitgliedsklubs. Zuvor hatten die drei Bayern-Klubs in der 3. Liga sich bereits für eine sportliche Fortsetzung der 3. Liga ausgesprochen – durchaus ein Fingerzeig für den Amateurfußball in Bayern.

In der Umfrage des Verbands hatten fast 10.000 Klubverantwortliche in diversen Videokonferenzen eine Meinung vorgetragen – rund 68 Prozent votierten dabei für eine Fortsetzung der Saison. Rund 32 Prozent der Klubs waren dagegen.

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