1. FC Saarbrücken: Geschäftsführer David Fischer im Interview über Fußball, Corona und Ludwigspark

Der 1. FC Saabrücken hat viele Eisen im Feuer. Da ist das Pokalhalbfinale. Da ist der fast sichere Aufstieg. Da ist die heißersehnte Rückkehr in den alten, neuen Ludwigspark. Vieles ist in Bewegung im Saarland. Wir haben mit Geschäftsführer David Fischer (35) über die Lage des FCS gesprochen.

David Fischer, Geschäftsführer in Saarbrücken. Foto: Imago

Frage: Herr Fischer, frei raus: Sehen Sie noch ein Spiel des 1. FC Saarbrücken in dieser Saison?

David Fischer: Ja. Klar, mindestens das Pokalhalbfinale gegen Leverkusen.

Dessen Termin wackelt aber, oder?

Grundsätzlich: Für den DFB-Pokal sind noch gar keine Spiele final terminiert worden. Die bisher bekannten Daten stammen nicht vom DFB, sondern von unterschiedlichen Medienvertretern, bzw. Internetportalen.

Dass der FCS das schöne Spiel gegen Leverkusen ohne Zuschauer bestreiten muss, tut aber schon weh?

Es gibt Dinge, die hat man nicht in der Hand. Die Gesundheit steht über allem, da hat der Fußball keinen Vorrang. Wir müssen den Zuschauerausschluss akzeptieren, auch wenn es nicht schön ist und unsere Anhänger es anders verdient hätten. Es ist für uns aus wirtschaftlicher Sicht aber wichtig, dass die Partie stattfindet. Auch wenn es nicht in der Atmosphäre stattfindet, die wir uns gewünscht hätten. Aber außergewöhnliche Zeiten erfordern…

Ist die lange Spielpause jetzt ein noch größerer Nachteil für Saarbrücken?

Losgelöst von der Corona-Thematik sind die Rollen zwischen Bayer Leverkusen und uns schon klar verteilt. Wenngleich das auch in den Runden zuvor galt. Aber Leverkusen wird zum Halbfinale sicher schon im Rhythmus sein, mit fünf oder sechs Spielen im Rücken. Die sind sowohl an Geisterspiele wie auch die Abläufe gewohnt, das steigert unsere Chancen nicht unbedingt.

Aber ein bisschen Hoffnung darf man noch haben..?

Unser Trainer hat es jüngst schon schön formuliert. Denkt man an Dänemark 1992… die kamen frisch aus dem Urlaub und wurden Europameister. Wir wollen es einfach demütig angehen, aber die Jungs haben es sich verdient. Die Mannschaft soll das Spiel genießen und wer weiß, was passiert…

Wenn Sie die Entwicklung in den Bundesligen verfolgen: Könnten Sie Hygienekonzepte wie bei der DFL überhaupt umsetzen?

Also zunächst der Status Quo: Der Spielbetrieb ist bis auf Weiteres in der Regionalliga sowie auch im DFB-Pokal ausgesetzt. Alle haben zwar ein Interesse daran, dass die Ergebnisse sportlich herbei geführt werden. Weil das bis zum 30. Juni nur schwer möglich sein wird, liegt die Vermutung nahe, dass ein Abbruch der Saison zumindest in den Klassen unterhalb der 3. Liga im Raum steht. Auch wenn es dafür noch keine Beschlusslage gibt. Aber wenn man das DFL-Hygienekonzept sieht, wird das für die Vereine in der Regionalliga schwierig umzusetzen sein. Das ist schwer zu realisieren.

Abbruch oder Fortsetzung: Welche Haltung vertritt der FCS?

Wir sind Sportsleute. Wir wollen es am liebsten auf dem Platz regeln. Aber wenn das eben nicht möglich ist, wonach es aussieht, und wir über einen Abbruch sprechen müssen, dann ist die Lage nach zwei Dritteln der Saison für uns recht klar. Also Aufsteiger Saarbrücken! Könnte nicht auch Elversberg noch Ansprüche anmelden?​

David Fischer
Geboren am 1. Juli 1984. Seit Sommer 2016 ist Fischer Geschäftsführer in Saarbrücken. Er wechselte damals von den Kickers Offenbach, wo er seit November 2012 in gleicher Funktion beschäftigt war, zum FCS. Im Mai 2019 wurde sein Vertrag verlängert.

Sie sind ja auch seit Ende April wieder im Training. Wie wurde die Mannschaft getestet?

Wir haben einen ersten Test hinter uns und machen in Kürze einen zweiten um die
Voraussetzung für ein Mannschaftstraining zu erfüllen. Die Test erfolgen unter den klaren
Vorgabe den Task Force Sportmedizin (DFL/ DFB). Die Ergebnisse kommunizieren wir nicht,
dies wird zentral über den DFB gesteuert, analog zu der Bundesliga und 2. Bundesliga, wo die
Kommunikation diesbezüglich zentral über die DFL abwickelt wird.

Zuletzt kursierte ein heikles Video aus der Berliner Kabine. Seitdem kann man ahnen, dass
nicht alle Spieler und Klubs die Hygienekonzepte uneingeschränkt umsetzen. Wie sieht’s
bei Ihnen in Saarbrücken aus?

Also die Einhaltung der Regeln ist eine Forderung, die jeder Verein an Spieler und Betreuer
stellen muss . Wir sind alle gefordert, die Vorgaben einzuhalten. Das haben wir unseren Jungs
auch vermittelt: Beherzigt die Dinge, die in diesen Zeiten notwendig sind. Sucht nicht den
öffentlichen Raum. Das ist natürlich ein etwas monotoner Tagesablauf für alle, aber es geht
eben gerade nicht anders.

Kommen wir einmal zum Sport. 2014 ist Saarbrücken zuletzt abgestiegen, seitdem zweimal
im Aufstiegsrennen gescheitert. Hinterlässt so etwas irgendwann Spuren?

Das ist eine Persönlichkeitsfrage. Nehmen Sie Mannheim: Die sind dreimal gescheitert und
sind jedes Mal stärker wiedergekommen. Ich bin persönlich 2015 mit Kickers Offenbach
gescheitert, dann 2018 hier mit Saarbrücken gegen 1860 München. Klar erwischt man sich
da auch mal in einer Minute, in der sich das nicht gut anfühlt. Aber alle Vereine wussten ja,
worauf sie sich einlassen. Und jetzt steigt ja der Meister direkt auf, das macht es dann
immerhin kalkulierbar. Niederlagen gehören zum Leben dazu, es kommt jedoch darauf an
wie man damit umgeht. Ich vertrete die Ansicht, dass man an jeder Niederlage wächst und
harte Arbeit irgendwann belohnt wird.

Ganz ohne Nervosität geht es aber nicht, wie die Entlassung von Dirk Lottner zeigte..?

Das hatte mit Nervosität nichts zu tun. Wir als Vereinsoffizielle haben die Verpflichtung, uns,
bzw. den Verein permanent zu hinterfragen. Das gilt für Unternehmen wie für
Klubverantwortliche. Wir haben uns gefragt, ob wir weiter so zusammen erfolgreich sein
können. Dies haben intensiv geprüft und für uns eine Entscheidung getroffen.

Es kam Lukas Kwasniok, sportlich ist die Lage in der Liga wieder einigermaßen klar. Wenn
es ganz dumm kommt: Könnte Saarbrücken noch ein Jahr in der Regionalliga überstehen?

Ich sage es einmal so: Es wäre eine weitere Kraftanstrengung. Es würde uns nicht umwerfen,
aber das schüttelt man auch nicht gerade aus den Ärmeln. Aber wir sind zuversichtlich, dass
wir bereits in dieser Spielzeit den Sprung in die 3. Liga schaffen.

Das Geld aus dem DFB-Pokal hilft da bestimmt…

Ja, diese Pokalsaison war schon ein Segen. Das lässt uns aktuell etwas ruhiger schlafen als
andere Vereine. ​

Wofür wollen Sie das Geld denn ausgeben?

Zunächst: Man muss ja nicht immer gleich Geld ausgeben, wenn man es hat. Es gibt aber ein
paar Themen, die wir in den Raum gestellt haben. Unser Nachwuchs und das
Nachwuchsleistungszentrum sind uns wichtig, da möchten wir optimieren. Es gab zudem
noch einige Altlasten, die jetzt behoben werden können.

Die Baustelle Ludwigsparkstadion am 30. April 2020. Die Tribünen stehen, der Innenausbau läuft. Rund 16.000 Zuschauer finden hier künftig Platz. Ausbaumöglichkeiten bietet der Unterrang der alten Tribüne (im Bild rechts). Foto: Imago

Wichtig ist ja auch das Stadion. Der Ludwigspark. Dorthin wollen Sie eigentlich im Sommer zurückkehren, aber der Termin wackelt ein bisschen?

Unser Stand ist, dass alle die Bedürfnisse und zeitlichen Vorgaben kennen. Und alle haben das Ziel, das Stadion spielfähig zu bekommen für einen Drittliga-Betrieb in der nächsten Saison. 

Einen Plan B brauchen Sie trotzdem.

Der DFB ist im Bilde über die Baufortschritte. Und wir müssen ein Ausweichstadion benennen, das auch drittligatauglich ist. Wir halten uns aber etwas mit Aussagen zurück, was das Ausweichstadion betrifft. 

Die Rückkehr wird aber auch Zeit. Seit 2016 muss Saarbrücken auswärts antreten. Dürfte einzigartig sein im deutschen Fußball.

Mir fällt jedenfalls kein anderer Klub ein, der dies in dieser Form durchleben musste.

Der neue Ludwigspark nimmt täglich klarere Formen an. Wann waren Sie zuletzt drinnen?

In der vergangenen Woche. 

Und wie fühlt es sich an? Können Sie die Stimmung schon erahnen?

(Lächelt) Ganz ehrlich, da bin ich vielleicht der falsche Ansprechpartner. Ich bin erst seit Mai 2016 beim 1. FC Saarbrücken, kenne nur das Stadion in Völklingen. Den alten Ludwigspark kenne ich nur als „Gegner“. Heimatgefühle und Erinnerungen können unsere Fans sicher besser in Worte fassen. Aber die Vorfreude steigt, wenn man den Baufortschritt sieht, das spürt man. Das Stadion ist immer ein wichtiger Teil in der Vereinsidentität. Es wird ohnehin noch ein gewisser Eingewöhnungsprozess, wenn wir in unser neues Wohnzimmer zurückkehren. Im Vergleich zum alten weitläufigen Ludwigspark stehen die Tribünen ja jetzt viel näher dran bspw.. 

Das wird sicher auch die Zuschauer wieder mehr anziehen, oder?

Ja, davon kann man ausgehen. 

David Fischer, vielen Dank für das Gespräch!

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One Comment on “1. FC Saarbrücken: Geschäftsführer David Fischer im Interview über Fußball, Corona und Ludwigspark”

  1. Sehr Informationsreiches Interview, welches nicht nur stilistisch alle ausstehenden Fragen beantwortet , wahrscheinlich eines der besten in den letzten Jahren und – zudem auch noch von der Perspektive das anschaulichste Foto des neuen Ludwigsparks .
    In diesem Falle sei nur noch zu wünschen , dass Bayer Leverkusen ähnlich arrogant und überheblich den Pokalfight mit den “ Molschdern “ aufnimmt wie die vorherigen Protagonisten und Saarbrückens Siegerstraße bis nach Berlin führt , denn schließlich haben wir noch ein dickes ASS im Ärmel – einen Engel im Himmel – !

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